26.08.2006

Weiße Rose

So zart sie war
so schlicht
so rein
senkt die Rose nun ihr Haupt
ihr erstes Blatt fällt
wortlos
auf den sonnengewärmten Tisch

unbedeutend
weint sie weiter
und niemand wischt auch nur eine Träne fort

Viele betrachten diese einzelne Blüte
jeder sieht die fallenden Blätter
und niemand nimmt auch nur eines fort
stattdessen
lästern sie
wie schön sie doch einst war

die Tischplatte ist erkaltet
und nur noch 2 Blätter zeichnen das junge Gestrüpp
das Blumenwasser stinkt nach Fäule
ihr Haupt gesenkt
das Ende längst erreicht
VERWEIGERT nur der leuchtende Abendstern
dessen Licht durch das Fenster sie streichelt
ihre letzten Tränen zu weinen

Annette Juretzki 2002

14:25 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (1) | Per Email verschicken

24.08.2006

Trennung

Dein Schatten
weint
doch die Schneekristalle kann ich nicht schmelzen
und so ziehen deine Krallen
tiefe Narben
in den Sand
und kühles Salzwasser
trocknet das Blut
deines Traumes

Annette Juretzki 2002

14:25 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

23.08.2006

(Noch ohne Titel)

Alles steht unter Wasser
ruhig und still
kalt und nass
Und nichts brennt mehr

Triefend treibt alles nur rum
dunkel und schwer
träge und antriebslos
Und nicht glänzt mehr

Nur auf einem alten Sessel
hocke ich allein
versuche das Ufer zu finden
Und hoffe auf trocknenden Sonnenschein

Wenigstens regnet es nicht mehr…

Annette Juretzki 2002


Bei diesem Gedicht rätsel ich nun schon seit 4 Jahren, wie ichs denn nennen soll. Habt ihr vielleicht einen Vorschlag?

14:20 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

22.08.2006

Tagtraum

Gewissenhaft
ist jener
Schmetterling
der sein Lied
dem Sonnenuntergang
w i d m e t


Annette Juretzki 2002

14:20 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

21.08.2006

Suche

Der Sonnenuntergang ist zu Ende
Die Sterne noch längst nicht da
Der Wind rauscht mit den Blättern
Ich spüre deinen Kuss
- doch du bist fort

Im Meer spiegelt sich dein Lächeln
Abendröte aus Herzensblut
Ich kenn’ nicht den Weg, den ich schlendre
Ich weiß nur, da vorne läufst du

Fußabdrücke sind fest im Sande
Unschuldiges Gras verdeckt sie nur leicht
Dein Leben ist eine Kerzenflamme
Und ich bin dein Wachs

Der Schnee fällt seichte zu Boden
Deinem Weg folg’ ich noch immer gleich
Spüre deinen Atem an meiner Wange
Doch wo bist du? Und wo willst du sein?

Annette Juretzki im Jahre 2002

14:15 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

20.08.2006

Stille Zeit

Manchmal
Wählst du dir die Einsamkeit zum Freund
Im stillen Dialog sitzt du da
Weinend
Suchend
Irgendwo in deiner Welt
Ganz allein

Einsam fliehst du
Weit fort
Jedem zur Gejagten
Selbst ich soll dich verlieren
Und so lässt du mich vor deinen leeren Augen stehen

Ich will dich retten
Gegen deine Drachen kämpfen
Dich aus den höchsten Türmen holen
Doch deine stillen Tränen
Lassen jedes Schwert brechen
Und hüllen die Feinde in Unsichtbarkeit
Bis sie uns beide erdolchen

Annette Juretzki 2002

16:40 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

18.08.2006

Selige Qual

leerer Fleck
muss Leben suchen

das Nichts
stiehlt der Marionette
die Fäden
und nur mit roter Farbe
lässt es sich ein wenig weitertanzen
bis Qual nach Qual
wieder die einzige Suche
bleibt

Annette Juretzki 2002

16:20 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

16.08.2006

Obelisken

Vergessen
der reine Segen
unverhüllt
geschlachtet
wie geschändet
unrein
sind die Säulen
Türme Babylons
verlacht von dem Toten
verspottet von reingeglaubten Herzen
selbst

Annette Juretzki 2002

16:00 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

15.08.2006

Namen

Schemenhaft
Schwirren Geister
Im Echo der Vergessenheit
Gebunden an Namen
An Gräbern

Zweifelhaft
Fließen Tränen
Im Schein von Trauer und Ewigkeit
Für Namen
Gefangen an Gräbern

Welkend
Weiße Rose
Getränkt in glühende Asche
Gebunden an Qualen
In dunklen Gräbern
Wartend
Das der Name vergessen wird

Und aus verlogener Wahrheit
Und fremden Geschichten
Blinzelt ein kleiner Schein voll Helligkeit
Doch er ist
Nur ein Name

Annette Juretzki 2002

15:35 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

10.08.2006

Malaria

Der Klang ritueller Trommeln drückte schwül auf die Brust um jeden Atemzug zu verweigern. Der schwarze Mann tänzelte geschickt-grässlich um den leblosen Körper herum, beschwor hämmernde Pulsschläge durch grotesk-verzerrte Stimme mit alten Runen gespickt. Der Nebel metaphysikalischer Zeiten hüllte jedes Leben mit Todesfratze ein, nur um dem Tod selbst ein Glühwürmchen zu stehlen. Stechapfel und Moskitos ließen fremde Geister geistlos plagen, im letzten Sein des vergessenen Sonnenscheins.
Euphorisches Schwirren einer belebenden Fratze des schwarzen Mannes, untermalt vom Klirren verlogener Talismane, erstellt durch Holz und Aberglaube, ließen den leblosen Körper zeitraffend mit längst vermorschten Knochen zittern, nur um den rezessiven Teil des Geistes vom schwarzen Mann in den verlorenen und vergessenen Krieger gleiten zu lassen. In überraschter Selbstsicherheit kniete der schwarze Mann verrenkt vor seinem neuen Sklaven, berichtete gierig-grinsend in abstrakten Wortkonstellationen halbtoter Sprache von der Bestimmung und ewigen Erlösung mit ständiger Bedrohung von Wiederkehr. Entsinnend nach Bekehrung schritt der neue alte Krieger zu seinen ersten Taten, totphilosophierend, das Halbleben verfluchend, unwissend gegen jede Existenz.

Skurriler Nebel verleugnender Farben riss Stücke vom Geist, die noch nicht bereit waren, Existenz zu vergessen, in sterbende Welt, die noch immer klammerhaltig das Leben hielt. Der Sinn vom Jetzt war im Sog der bunten Wildheit noch immer gefangen, genauso wie die Erinnerung an grundvolles Verschwinden, oder Wissen, jemals verschwunden worden zu sein. Nichts glich dem morgigen Erwachen, denn nichts um ihn herum war vertraut, bis auf die Sinnlosigkeit, die Erlösung prophezeite und brachte für den vergessenen Geist. Schrille Stimme vibrierend in seinem Kopf glich kreischender Stimme vom schwarzen Mann behangen von Federn, Klimperholz und Verrat, gehüllt in Gestank von Erde und Schweiß. Der schwarze Mann sprach in kryptischen Runen, deren Sinn zwar nicht bekannt, die Bedeutung sich jedoch in den unbedeutenden Fetzten Seele einbrannte. Nicht formulierungsfähig setzte Geisterhand eine riesige Masse Aas in Bewegung, deren Ziel unlöschbar einprogrammiert war. Und während der verstorbene Krieger langsam, unbeweglich voranschritt schallte ein Lachen durch den hohlen Körper, verlachte Erlösung, erlachte Erlösung für einen anderen Geist.

Annette Juretzki 2002

15:10 Veröffentlicht in 2002 | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken

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